NATURAL WINE - WHAT'S THAT?

Was, bitteschön, sind eigentlich Natural Wines? Und schmecken sie anders als andere Weine? Das hat sich Alex Hirt auch gefragt – und sogar eine Masterarbeit darüber verfasst.

Ich weiß nicht mehr genau wann, aber es ist schon eine Weile her, dass ich meinen ersten Natural Wine verkostet habe. Ich war fasziniert, bei einigen Weinen auch ein wenig irritiert. Ich wollte aber unbedingt mehr über diesen „neuen Weinstil“, der ja eigentlich der älteste der Welt ist, erfahren. Nach weiteren Verkostungen und dem Lesen diverser Artikel über Natural Wine war ich begeistert von dieser Art des Weinmachens!

Die meisten meiner „Wein-Bekannten“ empörten sich sofort, wenn sie Natural Wines probierten: „Die schmecken alle anders als die klassischen Weine, die wir kennen und lieben, und sind oft auch noch fehlerhaft!“.
Da mich diese Argumentation mit der Zeit immer wütender machte und ich auf der Suche nach einem Thema für meine Master-Arbeit im Studium Internationales Weinmarketing war, entschloss ich mich, diese willkürlich aufgestellte These – dass Natural Wine anders und oft fehlerhaft schmeckt - wissenschaftlich zu erforschen, um endlich Klarheit in diese Debatte zu bringen.

 

Was sind eigentlich Natural Wines?

 

Zuerst musste ich aber eine Frage klären: Wann ist ein Wein eigentlich „Natural“? Also begann ich nachzuforschen, was einen Natural Wine ausmacht.

Hier meine Erklärung, angelehnt an die Definition von Isabelle Legeron, einer Master of Wine, die sich mit diesem Thema intensiv beschäftigt und die RAW, also die Internationale Messe für Natural Wines, organisiert:
„Natural Wines werden aus Trauben hergestellt, die aus biologisch oder biodynamisch bewirtschafteten Weingärten stammen. Die Lese erfolgt ausschließlich per Hand. Der Prozess der Weinbereitung erfolgt ohne Wegnahme etwaiger Inhaltsstoffe aus dem Wein und ohne Zugabe irgendwelcher kellertechnischen Beigaben außer einer geringen Menge an SO2 (Schwefel). Einige Winzer erzeugen sogar Weine gänzlich ohne zugesetztem SO2.“

Es gibt für Natural Wines noch keine offizielle Definition und auch keine gesetzliche Regelung. Daher kommt es bei den Begriffen „Natural Wine“, „Orange Wine“, „Amphorenwein“ etc. immer wieder zu Missverständnissen.

Hier eine Aufklärung:
Orange Wines sind Weißweine, die wie Rotweine produziert werden - das heißt länger auf der Maische liegen. Weil sie länger auf den Schalen liegen, schmecken sie ganz anders als klassisch vinifizierte Weißweine, die keinen oder nur relativ kurzen Kontakt mit der Maische haben, und sind daher in der Farbe oft orange. Daher der Name.

Amphorenweine sind Weiß- oder Rotweine, die in speziellen Behältern, eben den Amphoren, ausgebaut werden. Diese Amphoren sind manchmal auch in der Erde vergraben. Amphorenweine sind - wenn sie weiß sind - oft Orange Wines, da die Winzer die Weine mitsamt der Maische und oft auch mit den Stielen in der Amphore reifen lassen und anschließend in die Flasche füllen.

Alles klar!?

Es geht aber noch weiter:

Natural Wine kann Orange Wine sein, muss aber nicht.

Orange Wine kann aus biologischer Produktion stammen, muss aber nicht.

Natural Wine wird meistens in Holzfässern ausgebaut. Er kann aber auch aus einer Amphore kommen.

Wein aus einer Amphore muss aber nicht automatisch ein Natural Wine sein.

 

Keine Sorge, nicht nur du bist jetzt komplett verwirrt.

 

Keine Sorge, nicht nur du bist jetzt komplett verwirrt, ich war das auch. Es gibt einfach (noch) keine Regeln. Auf die brauchst du aber nicht warten, sondern – ganz klar! – einfach nur kosten, kosten, kosten. Und dir dein eigenes Bild machen.

Was beim Verkosten von Natural Wines wirklich, wirklich wichtig ist: Im Gegensatz zu den meisten konventionell hergestellten Weinen dürfen und sollen Natural Wines ruhig ein bis zwei Tage offen sein, bevor du sie das erste Mal verkostest. Ja, richtig gelesen! Denn erst dann entfalten sie so richtig ihr einzigartiges Aroma. Trust me!

Ich habe mir hier ein paar Weine aus unserem Natural-Sortiment herausgepickt, die ich dir gern empfehlen will. Und dir auch gleich dazugeschrieben, warum ich die so gut finde. Kann sein, dass du mir zustimmst, wenn du die einzelnen Weine verkostet hast. Kann aber auch sein, dass dir einer oder mehrere so überhaupt nicht schmecken. Das ist gut so! Weil du so deinen eigenen Geschmack entdeckst.

Zunächst mal Natural Wines in Weiß: Ganz klar, da solltest du unbedingt Nolens Volens von Kolfok probieren. Wir haben über den Kolfok-Winzer Stefan Wellanschitz schon einen ganzen Text geschrieben, weil der Kerl uns mit seinen Weinen richtig begeistert. Aber zurück zum Nolens Volens: Das ist Welschriesling mal anders als typisch. Und zwar kräftig und gehaltvoll statt frisch und saftig.

DeSynthèse blanc von Domaine Riberach geht wiederum in eine ganz andere Richtung. Für mich ist diese südfranzösische Weißweincuvée ein sommerlicher Zitronengarten in der Flasche, wenn alles duftig-kräutig riecht und flirrt. Außerdem macht der lange Abgang enorme Lust auf den nächsten Schluck.

Natural Wines in Rot gibt’s natürlich auch. Da erzähle ich dir weiter unten mehr, weil sich meine Studie und die daraus resultierende Master-Arbeit genau mit diesem Thema beschäftigt hat. Jetzt mal zu den Weinen: Den Buchertberg Rot von Herrenhof Lamprecht empfehle ich dir. So schmeckt nämlich Blaufränkisch aus der Steiermark. Aber bitte unbedingt dekantieren und mindestens über Nacht stehen lassen – dann macht das Ding richtig Spaß.

 

Kräftig, würzig, ausdrucksstark!

 

Der zweite ist wieder aus Südfrankreich: Romanissa von Domaine Matassa. Der ist französische Rotweinpower aus biodynamischem Weinbau. Ein Grenache mit Tiefgang aus dem Languedoc-Roussillon. Kräftig, würzig, ausdrucksstark!

Orange Wines habe ich auch für dich. Einer der bekanntesten und meiner Meinung nach auch besten des Landes ist Mash Pitt von Gerhard Pittnauer aus Gols. Eine fantastische Weißweincuvée aus dem Nordburgenland, in der sich apfelfruchtige Noten mit mineralischen Kräutern vermischen. Bitte auch dieser orangefarbenen Schönheit Luft geben!

Der Rheingauer Landwein Pinot Blanc „Orange“ kommt von Balthasar Ress, übrigens einem der ersten Weingüter überhaupt, die sich in Deutschland mit Orange Wines beschäftigt haben. Der Weißburgunder ist Rheingau mal anders: nussig, erdig, kraftvoll.

Was Amphorenwein betrifft, ist das Weingut Ploder Rosenberg absoluter Experte. Ich empfehle dir Aero Essenz, ein Orange UND Natural Wine. Keine Angst, die Weißweincuvée aus fruchtig-duftigen Rebsorten schmeckt zwar betörend anders, aber eben betörend und unglaublich aromenreich. Vom selben Weingut stammtTero Essenz, ebenfalls Orange und Natural Wine. Eine Weißweincuvée aus Chardonnay und Sauvignon gris und ein erdig-würziger Wein. Die geöffnete Flasche unbedingt über ein bis zwei Wochen verkosten – every day another taste!

 

Natural Wines - liegt der Unterschied im Geschmack?

 

Soweit meine Tipps und Anregungen, dir selber ein Geschmacksbild von diesen Weinen zu machen. Wie oben schon erwähnt, wollte ich endlich Klarheit in die Diskussion bringen, ob denn nun Natural anders schmeckt als konventionell hergestellter Wein oder nicht. Also entwarf ich das Setting für eine Studie, die herausfinden sollte, ob es eine sensorische Abgrenzung zwischen diesen beiden Weinarten gibt. Bedeutet so viel wie: Erkennt eine gewisse Anzahl von Leuten - in der Studie waren es 18 Weinexperten und 40 Konsumenten - einen geschmacklichen Unterschied zwischen den beiden Gruppen von Weinen? Die Teilnehmer mussten 16 Weinproben (jeweils acht Natural Wines und acht konventionelle Weine) von 14 Winzern der Sorten Blaufränkisch und Zweigelt aus zwei Jahrgängen (2012 und 2013), alle aus dem Gebiet Neusiedler See, blind verkosten.

Das Ergebnis: Zwischen Natural Wines und Nicht-Natural-Wines gibt es keine sensorische Abgrenzung. Punkt. Natürlich sind Geschmäcker verschieden und die Verkoster der Studie teilten die Weine teilweise komplett unterschiedlich zu. Aber es gibt keinen signifikanten Unterschied, wie es in der Statistik heißt.

Jetzt kann man natürlich argumentieren: „Das ist ja nur eine Momentaufnahme“, „Das waren ja keine 1000 Menschen“ oder „Das geht sicher nur bei Rotweinen“. Nein, das geht auch mit Weißweinen, weil - wie du ja vorher gelesen hast - ein weißer Natural Wine absolut kein Orange Wine sein muss, sondern "Orange" sich auf die Machart des Weines bezieht. Und: Ja, Geschmack ist immer Momentaufnahme, aber um die geht es doch. Wer Genaueres wissen will:

https://www.akademikerverlag.de/catalog/details//store/de/book/978-3- 330-51278-8/natural-wines- liegt-der- unterschied-im- geschmack

Zu guter Letzt mein Rat an dich:

Du brauchst keine Studie zu machen oder zu lesen, um dir selber ein Bild von den Natural und Orange Wines zu machen. Gib ihnen einfach mal eine Chance, egal was du vielleicht von anderen gehört hast, und koste dich durch. Denn ob dir Natural Wines schmecken oder nicht, musst bitte DU selbst entscheiden! Verlass dich auf keinen Fall auf Meinungen irgendwelcher „Wein-Besserwisser“, die dich vielleicht auch noch belehren wollen, dass dir solche Weine nicht zu gefallen haben. Du entscheidest eben auch bei Natural Wines, was dir schmeckt! Trust me!

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Gelesene Weine:
Synthèse blanc 2014 | Riberach Synthèse blanc 2014
Riberach
17,50 € *
Inhalt 0.75 Liter (23,33 € / 1 Liter)
Buchertberg rot 2015 | Herrenhof Lamprecht Buchertberg rot 2015
Herrenhof Lamprecht
16,90 € *
Inhalt 0.75 Liter (22,53 € / 1 Liter)
Mash Pitt 2015 | Gerhard Pittnauer Mash Pitt 2015
Gerhard Pittnauer
19,90 € *
Inhalt 0.75 Liter (26,53 € / 1 Liter)
»Orange« 2015 | Balthasar Ress »Orange« 2015
Balthasar Ress
25,90 € *
Inhalt 0.75 Liter (34,53 € / 1 Liter)
Aero Essenz aus der Amphore 2012 | Ploder Rosenberg Aero Essenz aus der Amphore 2012
Ploder Rosenberg
49,00 € *
Inhalt 0.75 Liter (65,33 € / 1 Liter)
Tero Essenz aus der Amphore 2013 | Ploder Rosenberg Tero Essenz aus der Amphore 2013
Ploder Rosenberg
49,00 € *
Inhalt 0.75 Liter (65,33 € / 1 Liter)
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