MAMA, DU SOLLST NICHT OHNE DEINEN JUNGEN WEINEN!

Eine spontane Einladung bescherte meiner Mutter und mir eine der spannendsten Weinproben seit langem. Die Ergebnisse sind hier nachzulesen. 

Bereits im frei nach Heintje gewählten Titel dieser Geschichte steckt eine bewusste Doppeldeutigkeit und ein schlechtes Gewissen. Mein schlechtes Gewissen nämlich. Es geht, unschwer zu erlesen, um meine Mutter. Und um ihren Geburtstag, der Anfang Mai war, und um den diesjährigen Muttertag. Ich habe heuer nämlich erstmalig auf beide vergessen. Tatsächlich. Der Grund steht am Stubenring 16, hat seit ein paar Tagen offen, rennt wie die Hölle und fordert meine vollste Aufmerksamkeit. Da kommt das Private zu kurz.

Mir sind diese angesagten Festtage aber auch ziemlich egal, selbst aus Geburtstagen mache ich mir nichts, ich habe sogar auf meinen eigenen schon vergessen. Bei ihr ist das aber anders mit den Festen und Feiertagen. Ihr sind diese wichtig. Sie sagt es nicht, aber ich weiß es.

Und sie hat auch nichts gesagt, als ich an ihrem Geburtstag nicht angerufen, ihn sogar unkommentiert gelassen und auch noch beim traditionellen Muttertags-Heurigen heuer durch meine Abwesenheit geglänzt habe. Der Sohnemann hat schließlich grad viel um die Ohren. Aber ich habe etwas gesagt. Und zwar zu mir selbst. Dass das so nicht geht und dass ich das so nicht will. Und daher habe ich sie angerufen und sie für den Sonntagabend zu Just Taste eingeladen. Da haben wir zwar zu, aber so ein Laden ist rasch aufgesperrt und ein „Private Tasting for Two“ hat was. Wir haben endlich wieder mal geredet, nur sie und ich. Acht Stunden lang bis tief in die Nacht hinein und dazu haben wir ihre Lieblingsmusik gehört. Von Lehar über Verdi bis Puccini. Domingo, Pavarotti, Lanza, Schock und Callas haben für sie gesungen. Laut und im ganzen Lokal.

Dazu hatten wir die Speerspitzen unseres Sortiments im Glas. Immer in 4er-Flights, wie man das halt so macht bei Just Taste. Es war ihre erste Verkostung diese Art. Sie hat sie genossen und sie hat probiert, kommentiert und notiert wie eine Wilde und dabei bemerkt, dass man tatsächlich kein Experte sein muss, um eine fundierte Aussage treffen zu können, wie ein Wein riecht und schmeckt und ob er überhaupt schmeckt. Ich habe mich über ihre Begeisterung am Weinprobieren gefreut wie ein kleines Kind. Aus meinem schlechten Gewissen und einer spontanen Idee wurde so für uns beide einer der schönsten Abende seit langem. 

 

Unser beider Eindrücke sind hier nachzulesen:

 

 

Flight 1: Riesling-Radikale

 

Paul WeltnerRiesling Hoheleite GG 2012, Franken

Mama: Schmeckt nach Zitronen, Pfirsichen und Marillen. Er wirkt auf mich „sortiert“, also irgendwie wie aufgeräumt, klar und sauber. Was ist GG? 

Oliver: Das heißt „Großes Gewächs“ und bezeichnet in Deutschland die absoluten Spitzenweine. Ja, sortiert stimmt, man nennt das in der Weinsprache „präzise“, Wörter sind aber wurscht. Genau, das Steinobst tritt deutlich hervor. Ein vibrierender, unglaublich eleganter Wein.

Gritsch Mauritiushof, Dürnsteiner Burg 2014, Wachau

Der schmeckt jetzt aber ganz anders als der erste Riesling. Hat zwar auch ein bisschen Pfirsiche, aber riecht auch nach… ich trau’s mich fast nicht sagen … Benzin?!

Trau’s dich ruhig sagen! Das ist nämlich die typische „Tankstellen-Aromatik“ von einem gereiften Riesling. Eigentlich überraschend, weil dieser Wein erst vier Jahre alt und trotzdem schon so wunderbar reif ist.

Stagård, Riesling Steinzeug 2015, Kremstal

Na bumm! Das ist ein ordentlicher Wein. Duftet ein wenig nach Mango, kann das sein? Der schmeckt mir aber sehr, sehr gut!

Das sind die exotischen Noten, die du schmeckst. Ich würde ihn aber noch ein bis zwei Jahre liegen lassen, dann ist er am Punkt und wird so richtig Freude machen.

Nikolaihof, Riesling Vinothek 1997, Wachau

Das ist auch ein Riesling? Der schmeckt aber wirklich ganz anders als die anderen. So weich und füllig und meiner Meinung nach auch nach Nüssen.

Das kommt daher, dass dieser Wein sage und schreibe 20 Jahre im Holzfass gereift ist. Der 1995er ist Österreichs erster und einziger Wein, der vom berühmten Weinverkoster Robert Parker 100 Punkte bekommen hat. Und ich finde, der 1997er ist wirklich eine gelungene Fortsetzung.

 

2. Flight: Weiße Flaggschiffe

 

Tement, Sauvignon Blanc Zieregg 2014, Südsteiermark

Das ist einer von diesen steirischen Sauvignon-Weinen, die du mir ein paar Mal gezeigt hast. Der hier ist aber noch sehr jung. Für mich ist gerade die Säure sehr hoch. Beim Trinken hat er aber ordentlich Kraft. Das Grasige ist grad nicht da. Ein sehr eleganter Wein, sag ich mal so.

Ein guter Wein aus einem sehr schweren Jahr. Der hat noch eine hohe Säure und, ja, er ist noch etwas zurückhaltend, wird aber noch.

Polz, Sauvignon Blanc Hochgrassnitzberg Reserve 2013, Südsteiermark

Der schmeckt mir! Der ist sehr voll und üppig. Und irgendwie cremig. Woher kommt das?

Vom Holzausbau. Da kommen diese leichten Vanillenoten her und überhaupt diese Cremigkeit. Ist aber für diese Rebsorte eher ungewöhnlich.

Schwarz, Weiß 2014, Burgenland

Ui…der ist mir zu heftig, ich würde sogar sagen: zu wuchtig.

Ja, wie der Winzer… Also, man sieht, er ist noch viel zu jung, lieber noch liegen lassen, weil dieser Chardonnay dann sehr genial sein wird.

Lamy-Caillat, Chassagne-Montrachet La Romanée 2013, Burgund

Der gefällt mir sehr gut! Aber dieser Wein ist sehr intensiv, da ist so viel los – damit er „ruhiger“ wird, sollte man ihn noch lagern, oder?

Ja, Mama, so schmeckt halt großer Wein aus großen Lagen. Es ist ein Chardonnay und wohl noch ein wenig zu frisch. Wenn man ihn jetzt schon trinken will, sollte man ihn dekantieren oder lange im Glas stehen lassen.

 

3. Flight: Super Limited

 

Schwarz, Rot 2014, Burgenland

Weißt du, woran mich der Duft ein bisschen erinnert? An die Veilchen, die ich als Kind immer für die Oma gepflückt habe. Schmeckt mir recht gut, ist aber auch ziemlich kraftvoll.

Weißt du was? Der Veilchenduft ist typisch Zweigelt. Und dieser hier für mich der beste österreichische Zweigelt überhaupt.

Rings, Das Kreuz 2014, Pfalz

Ich schmecke da viel Frucht, viel Gerbstoff, oder wie das heißt. Bisschen Maroni, Schokolade, nein, nicht Maroni, sondern eher Haselnuss. Kommt der aus Frankreich? Oder aus Österreich? Reif ist der aber nicht, oder? Der braucht noch ein paar Jahre.

Nein, der kommt aus Deutschland! Und du hast gleich einmal eine der Rebsorten in der Cuvée herausgeschmeckt: Merlot kann oft nussig schmecken. Der Wein könnte groß werden, braucht aber noch ein bisschen Flaschenreifung, auch da hast du recht.

Penfolds, RWT Shiraz 2013, Barossa Valley

Der kommt aber jetzt sicher nicht aus Österreich. Dazu hat er zu viel Frucht und Druck gemeinsam. Oder ist sowas in Österreich möglich? Dann aber nur in einem warmen Jahr, stimmt’s? Ich schmecke auf jeden Fall viel Beeren. Am ehesten noch Brombeeren und den Cassissaft.

Nein, das ist ein Australier und ein typischer Shiraz, ohne dabei marmeladig oder pampig zu sein, sondern mit einiger Eleganz. Kaffee, Schokolade, dunkle Beeren. Herrlich. Ich würde sagen: Es muss nicht immer Grange sein. Der ist nämlich der berühmteste Shiraz Australiens.

Semaska, Côte-Rôtie Èlexir d'Ariane 2013, Rhône

Da schmecke ich viel Kirsche, auch ein bisschen bitteren Nougat. Oder neutralen Nougat. Auf jeden Fall nicht zu süß. Das, was ich sicher sagen kann, ist, dass dieser Wein ziemlich elegant sein. Schmeckt mir bisher am besten.

Na, da hast du einen exquisiten Geschmack. Dieser Wein ist nämlich in dem Flight der beste und rarste. Und der teuerste. Nicht nur ziemlich elegant, sondern die pure Eleganz.

 

4. Flight: Bordeaux total

 

Pichon Lalande 2011, Pauillac  

Da weiß ich gleich, dass der aus Frankreich ist. Das schmeckt man raus. Da ist dieser leicht animalische Ton. So zumindest hast du mir das immer erklärt. Und dann wieder auch dieser konzentrierte Cassissaft. Und er riecht auch nach Rinderleder. Das ist ein Bordeaux, oder? 

Richtig! Und der eleganteste in diesem Flight, nicht aufdringlich, sehr straff, etwas gemüsig, toll!

Pape Clement 2011, Pessac-Léognan

Der ist so wie der Wein davor. Also auch aus dem Bordeaux. Nur ist der noch sehr verschlossen irgendwie. Also, er macht jetzt noch nicht den richtigen Spaß. Was ich inzwischen weiß, ist, dass sich das mit den Jahren ändert. Ich hoff’, ich erleb noch, wenn der Wein trinkreif wird. Ist also auch ein Bordeaux, hab’ ich recht?

Gut erkannt! Eine richtige Bordeaux-Granate ist dieser Prügel. Sehr viel von allem, vielleicht zu viel. Und sollte jedenfalls noch gelagert werden, auch da hast du recht. Wenn man ihn jetzt schon trinken will, dann unbedingt dekantieren.  

Leoville Las Cases 2013, St. Julien

Wahrscheinlich kommen jetzt nur mehr Bordeaux, oder? Der hier ist ziemlich kräftig und auch fruchtig. Ich finde sogar, fruchtiger als die anderen. Hinten aber ist er ein bisschen schwächer als die anderen. Und hat weniger Druck. So heißt das doch? Erstaunlich elegant gegen die beiden Lackln davor. Ist der aus einem schwachen Jahr? Dafür ist er aber nicht schlecht.

Ja, das ist ein großer Wein aus einem nicht so großen Jahrgang, den man jetzt schon trinken kann.  

Pichon Baron 2014, Pauillac

Hab ich gewusst, dass noch ein Bordeaux kommt. Denn da ist wieder das Animalische, das Leder, die leicht rauchige Frucht. Aber jetzt sei mir nicht böse: Der Wein ist viel zu früh aufgemacht. Den muss man mindesten einen halben Tag Luft geben. Oder in ein paar Jahren trinken. Den hast du irgendwie verschwendet. Auch wenn’s mein Geburtstag ist.

Natürlich ist er viel zu jung, aber ich wollte ihn dir zeigen. Weil’s ein großer Jahrgang ist. Und auch hier gilt: Wenn jetzt schon getrunken, dann dekantieren und mindestens eine Stunde stehen lassen.

 

Zum Abschluss: Süßwein

 

Suduiraut 1999, Sauternes

Ich mag ja lieber die österreichischen Süßweine und das ist keiner davon. Bisschen Uhu-Kleber in der Nase. Das stört am Anfang. Schmecken tut er dann aber nach Nuss und Trauben. Und ein bisschen Schokolade. Und sehr warm. Was mich auf Frankreich tippen lässt, ist die Noblesse.

Ja, ein Sauternes! Und, ja, der Uhu gehört dazu! Er ist gut ölig, hat sehr prägnantes Holz, aber wird davon nicht zugedeckt.

 

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