WEIN MUSS GESCHICHTEN ERZÄHLEN

Christiane Sartena: Die Fattoria Nittardi hat eine unfassbar lange Historie. Erzähl doch bitte mal ein bisschen. 

 Leon Femfert: Nittardi wurde ursprünglich im 12. Jahrhundert von der Kirche gegründet wurde und hieß „Nectar Dei“. Die Benediktinermönche haben damals schon Wein produziert, deswegen der Name - der Nektar der Götter. Während der Renaissance hat Nittardi dem Künstler Michelangelo Buonarroti gehört.

DEM Michelangelo?

Richtig!

Beeindruckend! Wann ist das Weingut dann in deine Familie gekommen?

1981 haben es meine Eltern erworben. Von einer florentinischen Familie namens Nittardi, die zwar auch Wein gemacht haben, aber nur in kleinem Rahmen. Das Weingut und seine Nebengebäude wurden von ihr eher mehr als Sommerresidenz genützt.

Du bist aber nicht auf dem Weingut aufgewachsen, oder?

Teilweise. Mein Vater ist ja Deutscher und Galerist in Frankfurt. Dort bin ich auch zur Schule gegangen. Und in Berlin habe ich dann Philosophie studiert. Tja, und dann habe ich mich in ein Mädchen verliebt und bin zu ihr nach Florenz gezogen. Unsere Liebesgeschichte ist natürlich recht rasch zu Ende gegangen. (lacht)

Ein Klassiker…

Zwei Monate waren es, glaub ich. Aber ich bin geblieben, habe mein Philosophiestudium in Italien fertiggemacht und angefangen, ein bisschen für Nittardi zu arbeiten. Und danach habe ich dann auf verschiedenen Weingütern gearbeitet.

Wo genau? 

Im Napa Valley und danach in der Burgund. Dort habe ich auch meinen Master in Önologie gemacht. Und bevor ich vor vier Jahren Nittardi übernommen habe, war noch Chile dran.

 

“Nur in der Diskussion kommt man auf gute Ideen“

 

Bringt die Philosophie eigentlich etwas beim Weinmachen?

(überlegt) Was bringt dir die Philosophie überhaupt? Philosophie hilft dir vielleicht dabei, etwas bewusster deine Entscheidungen zu treffen. Das ist, glaube ich, beim Weinmachen sehr wichtig. Weil wir jeden Tag Entscheidungen treffen müssen

Nach welchem Philosophen gehst du: Kant, Hegel, Schopenhauer?

(lacht laut auf) Am ehesten nach der Frankfurter Schule. Ich bin überzeugt, dass wichtige Entscheidungen im Team getroffen werden sollten. Wir sind 15 Leute, alle sind fest angestellt bei Nittardi, also nicht nur Saisonarbeiter. Ich halte es für sehr wichtig, dass Entscheidungen gemeinsam getroffen werden und das ganze Team dahintersteht. Nur in der Diskussion kommt man auf gute Ideen und zu einer Art und Weise zu arbeiten, wo sich alle wirklich integriert fühlen. 

Das klingt sehr nach einem ganzheitlichen Konzept. Arbeitet ihr eigentlich biologisch oder biodynamisch?

Wir sind biologisch zertifiziert und, ja, wir nützen auch den biodynamischen Kalender nach Maria Thun in manchen Bereichen. In anderen wieder nicht. Zum Beispiel achten wir auf Fruchttage bei der Füllung, aber bei der Ernte nicht. Aus einem einfachen Grund: Wir haben bloß eine Woche Zeit, die wir nützen müssen.

Hast du so etwas wie eine Weinphilosophie?

Im Vordergrund muss stehen, dass er den Leuten schmeckt, dass dsie ein Glas trinken und sagen „Wow! Ich möchte ein zweites Glas haben“. Ich glaube nicht an die Weine, die nur über politische Statements verkauft werden.

 

„Wein muss Geschichten erzählen“

 

Was meinst du damit? Wahlempfehlungen am Etikett?

(lacht) Nein, ich meine dieses Kategoriendenken, das gerade so modern ist. Zum Beispiel beim Thema der Naturweine oder der autochthonen, also einheimischen, Rebsorten. Ich bin kein Freund eines dogmatischen Denkens. Und dann ist mir beim Wein auch wichtig, dass man Geschichten erzählt. Übers Land, über die Leute hinter dem Wein. Deswegen sind meiner Meinung nach die Etiketten essenziell. Nicht falsch verstehen: Es geht nicht nur um eine schöne Grafik. Sie sollen vielmehr eine Idee geben, was die Menschen bei diesem Wein erwartet.

Gutes Stichwort! Was erwartet einem zum Beispiel beim Belcanto?

Der ist quasi ein Gemischter Satz.

Wirklich? Also verschiedene Rebsorten wachsen zusammen im Weingarten, werden gemeinsam geerntet und ausgebaut?

Genau! Früher war das nicht unüblich im Chianti. Belcanto stammt von einem Weinberg, der in den 1960ern ausgepflanzt wurde und den wir vor ein paar Jahren erworben haben.  Wir fanden dort 90 % Sangiovese und 10 % andere Rebsorten. Ganze sieben verschiedene!

Entschuldige, was heißt gefunden?

Na, richtig gefunden! Wir sind durch den Weinberg gegangen und haben die ganzen Blätter und Trauben analysiert. Und dabei eben die sieben anderen Rebsorten gefunden. Canaiolo, Colorino, Malvasia Nera, Ciliegiolo und ein paar mehr. Weil ein Chianti Classico aus mindestens 80 % Sangiovese und sonst anderen roten Rebsorten bestehen muss, ist das der perfekte Weingarten für unseren Belcanto.

Die Etiketten der Nittardi-Weine erzählen ja Geschichten. Welche ist es beim Belcanto?

Am Belcanto-Etikett siehst du acht Schiefer-Steine, die man in Italien „Calestro“ nennt. Genau solche silbrigen Steine findest du im Weingarten. Acht Steine, weil acht verschiedene Rebsorten, die leise das Gesicht von Michenangelo andeuten. Und der Belcanto ist unser traditionellster Chianti Classico.

 

„In der Toskana trinkt man immer Wein zum Essen“

 

Erkläre doch bitte, was so klassisch am Belcanto ist. Wie schmeckt er?

Er hat eine unglaublich schöne Kirschfrucht, die sehr zugänglich ist. Wo man einfach nur sagt: „Yummy!“ Und dann hat er eine sehr gute Länge und Säure. Genau deswegen passt er auch so gut zu Fleisch. Schönem, fettem Fleisch. Mit dem gemäßigten 13 % Alkohol ist er generell ein guter Essensbegleiter.

Traditionellerweise wird Wein ja immer zum lokalen Essen gemacht.

Ja, in der Toskans ist es sehr untypisch, außerhalb der Mahlzeiten Wein zu trinken. Aber dafür zum Essen immer!

Was ist der Unterschied zu deinem zweiten Chianti Classico, dem Casanuovo?

Erstens: Casanuova ist ein reinsortiger Sangiovese und zwar zu 100% aus einer einzelnen Lage namens Vigna Doghessa. Zweitens: Er ist vielleicht eleganter und nicht so kräftig wie Belcanto, weil purer Sangiovese immer sehr viel Eleganz hat. Und jedes Jahr gestaltet ein anderer Künstler Etikett und Einschlagpapier.

 

„Von Ad Astra will man immer ein zweites Glas“

 

Und dann gibt es noch Riserva. Was macht diesen Wein so besonders?

Die Riserva ist unser Top-Chianti-Classico, den wir nur in den besten Jahren machen. Und sie ist die Selektion der besten Trauben des Weinberges Vigna Alta. Sangiovese und Merlot werden getrennt zwei Jahre lang in 500-Liter-Fässern ausgebaut und danach reift er noch ein Jahr in der Flasche. Die Reserve macht jetzt schon viel Spaß, du kannst ihn aber auch lange lagern – vom ersten Jahrgang, 1985, haben wir im Keller noch einige Flaschen und die sind heute noch immer brillant.

Wir von Just Taste fokussieren uns ja eigentlich auf den Wein und nicht auf dessen Auszeichnungen. Aber das gehört erwähnt: Die sehr kritische Weinexpertin Jancis Robinson hat deinen „BEN Vermentino“ 2015 zum besten Weißwein der Toskana erklärt.

Ja, das hat uns sehr geehrt. Vor allem, weil er unser erster Weißwein ist, den wir zudem erst seit 2012 machen.

Neben Chianti Classico machst du auch zwei Maremma-Weine. Was kannst du über Ad Astra erzählen?

Zunächst einmal macht Ad Astra aufgrund der Rebsorten richtig Spaß. Zur einen Hälfte besteht er aus Sangiovese, zur anderen aus Cabernet Sauvignon, Merlot und ein bisschen Cabernet Franc. Die rote Frucht stammt vom Sangiovese und die Power vom Cabernet Sauvignon, die von der Weichheit des Merlots ausgeglichen wird. Und der Schliff kommt vom Cabernet Franc. Eine gute Mischung, denn von dem Wein will man immer ein zweites Glas.

Der andere Maremma-Wein ist Nectar Dei, der Topwein von Nittardi. Was macht euer Flaggschiff so besonders?

Zum einen besteht er aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Petit Verdot. Das Interessante daran: Cabernet und Merlot sind zwei Rebsorten, die in der warmen Maremma ziemlich kräftig werden und Zeit brauchen, um abzurunden. Petit Verdot gleicht das Ungestüme wieder aus. Deshalb ist Nectar Dei schon jetzt sehr gut zu trinken, verträgt aber auch einige Jahre Lagerung.

Wenn du alle deine Weine zusammennimmst: Welcher ist eigentlich dein Liebling?

Am Ende ist wahrscheinlich der Casanuovo. Weil er so unglaublich viel Eleganz, Finesse und Länge hat. Das habe ich ziemlich oft gesagt, oder? (lacht) Da siehst du, wie wichtig mir das ist!

 

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