DIE BRÜDER WIEDER

Die Weine der Pfälzer Winzer Andreas und Steffen Rings finden wir derart fantastisch, dass wir uns entschlossen haben, alles nach Österreich zu holen, was wir bekommen können. Du liest richtig: das hier eine Liebeserklärung!

Freinsheim liegt in der Pfalz. Und die Pfalz ist eine Weinregion in Deutschland. In Freinsheim werden ein paar der besten Rotweine Europas gekeltert. Im Keller derBrüder Rings. Die meisten Österreicher würden jetzt zu lesen aufhören, wäre das hier nicht der Just Taste Blog. Deutschland und Rotwein? Da lachen ja die Hühner! Ok, beim Riesling sind die Deutschen Weltspitze. Das wissen wir nun schon. Aber bei Rotweinen? Na, da müssen die sich noch ordentlich anstrengen, dass ein deutscher Rotwein bei uns in Österreich ins Glas kommt.

 

Das Dings der Rings: Weine mit Wumms.

 

Diese liebevolle Verachtung für deutsche Rotweine hat hierzulande freilich gute Gründe. Und die heißen Dornfelder, Trollinger und (leider) auch Spätburgunder. Denn das sind genau jene Weine, die Österreicher zumeist getrunken haben, wenn man ihnen einen deutschen Rotwein vorgesetzt hat. Es mag gute Trollinger und Dornfelder geben; es gibt ganz sicher ganz hervorragende Spätburgunder (Pinot Noir); doch fast alle Weine dieser Sorten sind nicht mit dem Geschmack der meisten österreichischen Weintrinker vereinbar. Dieser Satz verliert allerdings jede Gültigkeit, wenn die derart herabgestuften Weine Kraft, Frucht und Nachhall haben. Das alles haben alle Rotweine der Rings (eben auch der Spätburgunder), denn das ist das Dings der Rings: Weine mit Wumms!

 

Die Pfalz zudem profitiert, wie andere westdeutsche Weinregionen, von der Klimaerwärmung. Hier wird es inzwischen in manchen Sommern so heiß wie in der Toskana. Und so ist es auch kein Wunder, wenn die beiden bekannten Rings-Rotwein-Cuvées Kleines Kreuz und Das Kreuz in den letzten Jahren zunehmend schmecken, wie kräftige Kreszenzen aus Bolgheri. Auch wenn man es kaum glauben mag.

 

Die aktuelle „Rotweinmode“ aber lautet „kühl, leichtfruchtig und wenig Alkohol“. Wie alle Moden wird auch diese Mode wieder verschwinden. Doch aktuell gibt sie gerade (und gerade besonders in Deutschland) den Ton an. Dass mindestens 90% aller Rotweintrinker diese Art Weine nicht trinken wollen, auch nicht als vielgepriesene Essensbegleiter, ist den Trompetern der Moden freilich egal, denn sie verstehen sich auch als avantgardistische Gegenbewegung zu jenen Rotweinen, die Robert Parker einst favorisierte und die dank ihm den Weltmarkt dominierten.

 

Marmeladenweine sind gottlob over & out.

 

Und stimmt: Man kann sagen, dass die nun vielgeschmähten „Marmeladeweine“ das Erbe Robert Parkers sind, dem lange Zeit mächtigsten Weinkritiker der Welt. Man kann aber auch sagen, dass man kräftige Rotweine keltern kann, die nicht nach zerlassener Schokolade und Kirschenkompott riechen und nicht nach eingedicktem Cassis und dem Karamell des Barriquefass schmecken. So, wie die Gebrüder Rings das tun, die ihre Weine in der Finesse ankern. Die Marmeladeweine, die dann die Übertreibung der kräftigen Rotweine sind und tatsächlich zudem auch eine missverständliche Interpretation des Weingeschmacks Robert Parkers, diese Marmeladeweine sind heute gottlob total over & out.

 

Warum ist das so wichtig? Ganz einfach, weil es den Brüdern Rings seit Jahren gelingt, mit ihrem generell kräftigen Weinstil als populistischer Teil der Avantgarde durchzukommen - was sie freilich auch sind. Eigentlich müssten ihnen die Hohepriester der Kühl-leichtfruchtig-und-wenig-Alkohol-Kultur mehr als skeptisch gegenüberstehen, aber die Rings kriegen das hin, weil ihre Weine eben eine genaue Ausrichtung, eine genaue Linie haben, die man bei anderen Winzern vermisst. Diese Linie heißt: Handschrift. Und eine Handschrift ist erst gelungen, wenn man eine Flasche öffnet und den Winzer beim ersten Schluck erkennt. 

 

Die Rings sind auch so erfrischend antimodisch, weil sie sich nicht alleine mit autochthonen Sorten abgeben. Und sie sind auch nicht die einzigen Winzer der Pfalz, die in dieser Region internationale Trauben wie Cabernet Sauvignon, Merlot oder Cabernet Franc angepflanzt haben. Diese internationalen Traubensorten zeigen erst punktgenau auf, dass deutsche Rotweine mit internationaler Konkurrenz mithalten können – vor allem mit Weinen aus dem Nachbarland Frankreich und aus Italien. Im Das Kreuz der Rings befindet sich dann neben den drei eben genannten Sorten auch noch ein Anteil von St. Laurent, einer Mimosensorte, die auch in Österreich bekannt (aber nicht geschätzt) ist. Auch sie ist ein Fremdkörper, eine österreichische Sorte eben, die aber früh ihren Weg nach Deutschland fand. Warum ist der Saft dieser schwierigen und schadensanfälligen Sorte in Das Kreuz dabei? Ganz einfach: weil St. Laurent ein bisschen mehr Diversität hergibt und einen kleinen burgundischen Kick, der diesen Wein erst zu dem großen Wein macht, der er ist.

 

Wer sagt, dass die Region immer die Region bleibt, die sie ist?

 

Das Kreuz besteht also ausschließlich aus Sorten, die in Deutschland nicht heimisch sind. Deswegen gelten solche „kreierten“ Weine vielen Weinpriestern als zusammengeschustertes Zeug, das nichts mit der Region zu tun hat. Das stimmt! Aber wer sagt, dass die Region immer die Region bleibt, die sie gerade ist? Wenn wir die Klimaerwärmung betrachten, die nur mehr Donald Trump leugnet, dann kann man vorhersehen, dass manche deutsche Weinbaugebiete schon bald für große, international vermarktbare Rotweine stehen können. Das klingt großartig, wird jedoch dem traditionellen Spätburgunder ordentlich zu schaffen machen. Und auch der Kühl-dingsbums-Fraktion, die gerade die Mode angibt. 

 

Andreas und Steffen Rings keltern aber nicht nur ein paar der seligstmachenden, modernen Rotweine der Welt, sie füllen auch gigantische Rieslinge in Flaschen, die Just Taste freilich auch im Programm hat. Sie vereinen die alte, wiederentdeckte, trockene deutsche Rieslingkultur mit der önologischen Moderne. Und freilich gibt es bei den Rings ebenso einen Einstiegs-Ortsriesling (den Freinsheim), der auch im günstigen Bereich andeutet, was die Rings alles können. Über diese Weine erzählen wir morgen in einer anderen Geschichte. Denn sonst sitzen wir noch Stunden an diesem Liebesbrief und kommen gar nicht zum Weinverkosten. Nur so viel noch: Wären die Brüder Rings Buchautoren, dann wären sie das italienische Autorenpaar Fruttero & Lucentini – intellektuell mit Bestsellergarantie.

 

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Gelesene Weine:
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